Rechtlicher Hinweis (alkoholische Getraenke): Nach EU-Health-Claims-Verordnung und Paragraph 11 LFGB sind fuer Getraenke mit mehr als 1,2 Prozent Alkohol jegliche gesundheits- oder krankheitsbezogenen Werbeaussagen verboten. Wir beschraenken uns daher auf Geschichte, Herstellung, Geschmacks- und Cocktail-Tradition. Genuss verantwortungsvoll, kein Verkauf an Personen unter 18 Jahren.
Ohne die Aromen der Gin Botanicals gaebe es keinen Gin. Erst durch ihre Zugabe in den sonst neutralen Alkohol verleihen Botanicals dem Gin seinen Geschmack.
Bei den klassischen Gin-Sorten sind lediglich die Beeren des Wacholderstrauchs vorgeschrieben. Sie geben dem Gin sein typisches Aroma. Doch bei neueren Sorten tritt dieses Aroma immer oefter in den Hintergrund und ermoeglicht so neue, interessante Geschmacksrichtungen und viel Freiraum fuer Experimente.
Botanicals: Die Gin-Gewuerze
Da es keine gute Uebersetzung fuer das Wort "Botanicals" gibt, nutzen wir es auch in der deutschen Sprache, um die pflanzlichen Zutaten wie Kraeuter, Fruchtschalen, Samen, Wurzeln, Rinden und mehr zu beschreiben. Urspruenglich leitet sich die Bezeichnung wohl aus dem griechischen Wort "botaniké" ab, was uebersetzt so viel heisst wie die "Lehre der Pflanzen".
Man koennte also sagen, dass Botanicals die Gewuerze des Gins sind.
Die wichtigsten Botanicals im Ueberblick
Wacholderbeeren (Juniperus communis)
Das namensgebende und gesetzlich vorgeschriebene Botanical. Der Wacholder gibt dem Gin sein charakteristisches, harzig-frisches Aroma mit Tannen- und Eukalyptusnoten.
Koriandersamen
Nach Wacholder das am haeufigsten verwendete Botanical. Liefert zitrusartige, leicht blumige Noten und unterstuetzt die anderen Aromen.
Engelwurz (Angelikawurzel)
Erdig-wuerzig, leicht moschusartig. Dient als Bindeglied zwischen den anderen Aromen.
Iriswurzel
Sanft, blumig, leicht parfuemiert. Wirkt als Aromenfixator.
Zitrusschalen (Zitrone, Orange, Limette, Grapefruit)
Frische, leichte, helle Aromen. Klassisch sind Orangen- und Zitronenschalen.
Lakritzwurzel
Suesslich-anisartig, gibt dem Gin Tiefe und Suessekomponente.
Kardamom
Wuerzig, leicht zitrusartig, exotisch.
Kassia oder Zimt
Warme, suesse, wuerzige Note.
Pfefferkoerner
Geben dem Gin Schaerfe und Komplexitaet.
Anis und Sternanis
Lakritzartig-anisig, klassisch in vielen mediterranen Stilen.
Fenchelsamen
Anisartig, leicht suess.
Mandel
Geben eine cremige, leicht nussige Note.
Gurke
Bekannt geworden durch Hendrick's Gin — frisch und unkonventionell.
Rosenblueten
Bluemig, parfuemig — ebenfalls Hendrick's-Markenzeichen.
Holunder, Tannenwipfel, Heidekraut, Hagebutte
Botanicals der modernen New-Western-Gins — regionale Vielfalt.
Wie kommen die Aromen in den Gin?
Es gibt verschiedene Methoden, mit denen die Aromen der Botanicals in den Gin gelangen:
- Mazeration: Botanicals werden direkt im Alkohol eingelegt, oft mehrere Stunden bis Tage
- Destillation in der Brennblase: Die im Alkohol mazerierten Botanicals werden gemeinsam destilliert
- Dampfinfusion / Vapour Infusion: Die Botanicals werden in einen Korb ueber den Alkohol gehaengt — die aufsteigenden Daempfe nehmen die Aromen mit (z. B. Bombay Sapphire)
- One-Shot vs. Multi-Shot: Manche Destillerien stellen einen konzentrierten Gin her und verschneiden ihn dann mit weiterem neutralen Alkohol
Anzahl der Botanicals
Die Anzahl variiert stark — von 4-5 Botanicals (sehr klassischer Wacholder-betonter Stil) bis zu 47 Botanicals (z. B. bei Monkey 47). Mehr ist nicht automatisch besser — die Kunst liegt in der harmonischen Komposition.
Botanicals selbst kombinieren
Wer sich einen eigenen, einfachen Gin im Compound-Verfahren herstellen will, kann mit Wacholderbeeren, Koriandersamen und Zitrusschale als Basis starten und experimentell andere Botanicals dazugeben. Eine kleine Menge neutralen Alkohol (z. B. Wodka) mit den Botanicals 24-48 Stunden mazerieren lassen — fertig ist ein einfacher Hausgemachter Compound-Gin. Wichtig: Mengen klein halten, Botanicals lebensmittelecht beziehen, im Glas dunkel lagern.