Korn galt lange als schlichter Schnaps für die Theke. Die Feinbrennerei Sasse aus Schöppingen im Münsterland sieht das anders und lässt ihren Kornbrand jahrelang in Eichenfässern reifen. Hier erfährst du, wie eine alte Flasche vom Urgroßvater die Brennerei gerettet hat, was im Reifugium am Schöppinger Berg passiert und welche Brände und Liköre von Sasse du bei uns findest.

Eine Brennerei mit mehr als 300 Jahren Geschichte
Die Feinbrennerei nennt 1707 als Gründungsjahr. Rüdiger Sasse, der heutige Inhaber, beschreibt die Anfänge in einem Interview so: Seine Familie beherbergte Reisende, die Nachbarn betrieben Tuchhandel. Zur Herberge gehörte eine Altbierküche, und weil sich das Bier nicht lange hielt, wurde es ab dem frühen 18. Jahrhundert destilliert. Die Geschäftsbücher der letzten 200 Jahre besitzt die Familie bis heute.
Einen tiefen Einschnitt brachte das Branntweinmonopol von 1918. Korn wurde in Deutschland zur Massenware, der Absatz kleiner Brennereien brach ein. 1985 musste auch Sasse kurzzeitig um das Überleben kämpfen. Rüdiger Sasse war damals 16 Jahre alt und stand, wie es auf der Website der Brennerei heißt, vor den Trümmern einer 300-jährigen Familientradition.
Ein Fund am Nikolausabend
Die Wende kam am Nikolausabend im Dezember 1987. Rüdiger Sasse stieß auf eine Flasche Korn, die sein Urgroßvater Theo Sasse gebrannt hatte. Der Inhalt war vielschichtig und voller Geschmack, ganz anders als der Korn jener Jahre. Daraus entstand die Idee, Kornbrand wie einen edlen Weinbrand im Holzfass reifen zu lassen: der Lagerkorn. Im Interview mit dem Branchenportal about-drinks fasste Rüdiger Sasse den Gedanken 2023 so zusammen: „Wenn aber fast alles vergessen ist, sind alte Dinge neu.“ Heute bezeichnet sich das Team als „German True Korn Pioneers“ und will dem deutschen Korn seinen Rang als hochwertige Spirituose zurückgeben.
Brennblasen, Barriques und das Reifugium
Gebrannt wird von Hand. Laut Rüdiger Sasse arbeitet die Brennerei mit vier Destillen: einer Maischekolonne mit zwölf Böden aus dem Jahr 1878 für den Rohbrand und mehreren Pot Stills mit zusammen 4.750 Litern Fassungsvermögen. Das Wasser stammt aus dem eigenen Brunnen. Für die Reifung setzt Sasse auf Eichenfässer aus Limousin- und Allier-Eiche sowie amerikanischer Eiche. Das Holz liegt vor dem Fassbau vier Jahre im Freien, danach werden die Dauben je nach Fass 70 Minuten bei 200 °C oder 80 Minuten bei 300 °C geröstet. Die Barriques kommen aus der Region Cognac, jedes bekommt ein Sasse-Brandzeichen.

Herzstück ist das Reifugium, ein Lagerhaus, dessen Bauweise die Fässer dem Klima am Schöppinger Berg aussetzt. So erleben die Fässer Wind, Wärme und Kälte aller vier Jahreszeiten. Sasse spricht von klimadynamischer Reifung, bei der neue, würzige Aromen entstehen.
Sasse bei Leni & Hans
Bei uns findest du die Klassiker der Brennerei, dazu Liköre und alkoholfreie Konzentrate. Weitere Kornbrände anderer Hersteller stehen in unserer Kategorie Korn.
Lagerkorn, Cigar Special und Atlantik Finish
Der Münsterländer Lagerkorn V.S.O.P. reift mindestens vier Jahre in Barriques, in denen vorher Cognac lag. Vermählt werden bis zu 50 Fässer aus drei Alterskategorien. Sasse beschreibt ihn als weich und warm, mit Vanille, weißer Schokolade und süßem Malz, bei 32 % vol. Kräftiger ist der Cigar Special aus Roggen und Gerstenmalz: fünf Jahre in Limousin-Eiche, dann ein Finish in stark getoasteter amerikanischer Weißeiche, 40 % vol. Der Atlantik Finish verbindet Roggen mit über Torf gedarrtem Gerstenmalz und reift mehr als sechs Jahre in drei Fassarten, zuletzt in Fässern aus Jerez. Alle drei stecken als Probierfläschchen in der Lagerkorn Tasting Box.
Wacholder aus der Grafschaft Bentheim
Für uns in Nordhorn liegt dieses Kapitel besonders nah. Der Grafschafter Kräuterwacholder entstand 2010 zum 125-jährigen Bestehen des Landkreises Grafschaft Bentheim. Die Beeren stammen aus den Naturschutzgebieten Tillenberge und Spöllberg und werden von Hand gesammelt: Planen kommen unter die Sträucher, dann wird vorsichtig auf die Äste geklopft. Damit es diese Wacholderheiden auch künftig gibt, zahlt Sasse aus dem Erlös des Kräuterwacholders jedes Jahr eine Spende in einen eigens gegründeten Fonds ein. Wacholder aus derselben Gegend bringt auch der Grafschafter Heide Gin mit, frisch und zitrusbetont bei 45 % vol. Welche Rolle Wacholder und andere Pflanzen im Gin spielen, erklärt unser Ratgeber Gin Botanicals.
Aperitif, Liköre und alkoholfrei
Für Amérie pflückt der Hof Grothues-Potthoff aus der Nachbarschaft Himbeeren, die in Getreidedestillat ziehen; in jeder Flasche schwimmen ganze Walderdbeeren. Für den Holunderblütenlikör erntet das ganze Team an zwei Tagen im Jahr die Blüten. Aus der Zusammenarbeit mit dem Verein Münsterland-Siegel stammen die Cremeliköre von Paula Pumpernickel, etwa der Milchkaffee Likör. Weitere Sorten findest du unter Liköre. Ganz ohne Alkohol kommt Junipaero aus: ein Bio-Konzentrat aus Wacholder und Gin-Botanicals, das du mit Wasser und Tonic aufgießt, ähnlich wie beim klassischen Gin Tonic.

Besuch in Schöppingen
Die Brennerei liegt an der Düsseldorfer Straße in Schöppingen, mit Hofladen direkt vor Ort. Bei Führungen zeigt das Team die Brennerei, den Gärkeller, den Brunnen und das Fasslager, außerdem gibt es Workshops. In Münster betreibt Sasse einen eigenen Laden in Domnähe.
Zuhause reicht ein ruhiger Moment: Gieß den Lagerkorn in ein Lagerkorn Digestifglas, lass ihn kurz stehen und probier ihn in kleinen Schlucken, so kommen Vanille und Holz am besten zur Geltung. Die Tasting Box eignet sich für einen Abend mit Freunden, an dem ihr die drei Fassreifungen nebeneinander vergleicht. Amérie gießt du mit Sekt über Eis auf. Abgabe alkoholhaltiger Produkte nur an Personen ab 18 Jahren.
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Fotos: © Feinbrennerei Sasse